TA: Fußballer Sebastian Hartung zieht es in den Trainerberuf
Beim Hallenturnier des Thüringer Fußball-Verbandes stand er gestern auf dem Spielfeld - aber nicht als Aktiver, sondern als Glücksfee bei der Landespokal-Auslosung. Bald will Sebastian Hartung aber auch sportlich in der Heimat wieder Fuß fassen.
Erfurt. Er hat einiges gesehen in den vergangenen Jahren: Dresden, Halle, Zwickau, Worms, Trier und jetzt Grevenmacher in Luxemburg waren die Stationen, seit Sebastian Hartung 2003 den FC Rot-Weiß verlassen hatte. Vom Osten zog es ihn immer weiter gen Westen - auf der Suche nach dem Fußball-Glück. Der Durchbruch im Profibereich blieb ihm jedoch verwehrt. Dabei galt der gebürtige Erfurter lange als ähnlich großes Talent wie sein Jugendfreund Clemens Fritz. Die Parallelen waren erstaunlich. Beide, geboren im Dezember 1980, durchliefen die Nachwuchsschule des Klubs, kamen mit 15 zu ersten DFB-Auswahl-Einsätzen und schafften früh den Sprung in die Männer-Elf.
Aber dann driftete ihre Entwicklung auseinander. Der drangvolle Fritz startete durch, brachte es zum Bundesliga-Profi, zum A-Nationalspieler. Hartung, der Techniker mit den strategischen Fähigkeiten, kam nie über die dritte Liga hinaus. Zu wenig Trainer-Vertrauen, zu viel Pech, sagen die einen. Zu wenig Biss, zu viel Party, meinen die anderen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Hartung selbst schaut nicht gern zurück, scheint mich sich im Reinen. Vor Kurzem ist er 30 geworden. Er wirkt gereift, spricht über die Zukunft, Familie, Freunde. Und doch ist die Leidenschaft für seinen Sport allgegenwärtig. Ein Leben ohne Fußball - für den Blondschopf unvorstellbar.
Derzeit spielt er in Luxemburg für CS Grevenmacher, einem Erstligisten direkt an der deutschen Grenze. Mario Basler hatte ihn und Pendant Christian Müller vor eineinhalb Jahren aus Trier weggeekelt. "Mein schlechtester Trainer", sagt Hartung im Nachhinein. Doch ohne den erzwungenen Wechsel wäre er wohl nie zu Europa-League-Einsätzen gekommen. Im Sommer traf er mit Grevenmacher in der Qualifikation auf Irlands FC Dundalk (3:3, 1:2). Eine schöne Erfahrung, sagt Hartung.
Und auch in Luxemburg fühlt er sich wohl. Doch den Weitgereisten zieht es wieder nach Hause. Immer wenn er wie jetzt in der Stadt ist, spürt er, was er an Erfurt hat. "Irgendwann möchte man ja mal ankommen", sagt Hartung nach etlichen Umzügen. Und er hat schon klare Vorstellungen von seiner Zukunft: "Ich will als Trainer mein Geld verdienen."
Was viele nicht wissen: Darauf arbeitet er schon lange hin. Mit 22 hatte der Mittelfeldspieler in Dresden erstmals eine D-Junioren-Mannschaft übernommen, später in Trier ebenfalls. Jetzt kümmert er sich um die C-Junioren. Während die Teamkollegen an der Playstation oder im Café saßen, kümmerte sich Hartung um seine Jungs und absolvierte ein Fernstudium als Sportmanager. In Luxemburg assistierte er kürzlich sogar bei der U-17-Nationalmannschaft und erwarb die A-Lizenz der Uefa.
"Das Beste von den vielen Trainern, die ich hatte, möchte ich gern weitergeben", sagt der Mann, der es beim FC Rot-Weiß zwischen 2000 und 2003 auf 52 Drittliga-Partien (drei Tore) brachte. Der Nachwuchs hat es ihm angetan. Er scheint ein Händchen für die Jugendlichen zu haben, die ihn zwar duzen, den Kumpeltyp jedoch auch anders erleben können: "Wenn der Respekt fehlt oder nicht das gemacht wird, was ich sage, dann werde selbst ich mal laut", sagt Hartung.
Sonst ist er eher ein ruhiger Vertreter, wie Thomas Schaaf. Bei dem Bremer Urgestein würde der Thüringer Trainer-Novize gern mal hospitieren, eine Halbzeit-Ansprache hören, Taktik-Sitzungen mitverfolgen. Auch Jose Mourinho von Real Madrid begeistert ihn. "Aber das geht wohl vielen so", verweist er auf die Erfolge des Portugiesen auf der großen Fußball-Bühne. Hartung will sich zunächst weiter im Kleinen beweisen. Am liebsten zu Hause. Dafür würde er auch das Ende seiner aktiven Karriere in Kauf nehmen. "Der Job geht vor", sagt er. Der Hallodri von einst scheint tatsächlich erwachsen geworden.
Marco Alles / 08.01.11 / TA
Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de
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MDR: Meuselwitz siegt beim TFV-Cup
Beim Hallenturnier des Thüringer Fußball-Verbandes stand er gestern auf dem Spielfeld - aber nicht als Aktiver, sondern als Glücksfee bei der Landespokal-Auslosung. Bald will Sebastian Hartung aber auch sportlich in der Heimat wieder Fuß fassen.
Erfurt. Er hat einiges gesehen in den vergangenen Jahren: Dresden, Halle, Zwickau, Worms, Trier und jetzt Grevenmacher in Luxemburg waren die Stationen, seit Sebastian Hartung 2003 den FC Rot-Weiß verlassen hatte. Vom Osten zog es ihn immer weiter gen Westen - auf der Suche nach dem Fußball-Glück. Der Durchbruch im Profibereich blieb ihm jedoch verwehrt. Dabei galt der gebürtige Erfurter lange als ähnlich großes Talent wie sein Jugendfreund Clemens Fritz. Die Parallelen waren erstaunlich. Beide, geboren im Dezember 1980, durchliefen die Nachwuchsschule des Klubs, kamen mit 15 zu ersten DFB-Auswahl-Einsätzen und schafften früh den Sprung in die Männer-Elf.
Aber dann driftete ihre Entwicklung auseinander. Der drangvolle Fritz startete durch, brachte es zum Bundesliga-Profi, zum A-Nationalspieler. Hartung, der Techniker mit den strategischen Fähigkeiten, kam nie über die dritte Liga hinaus. Zu wenig Trainer-Vertrauen, zu viel Pech, sagen die einen. Zu wenig Biss, zu viel Party, meinen die anderen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Hartung selbst schaut nicht gern zurück, scheint mich sich im Reinen. Vor Kurzem ist er 30 geworden. Er wirkt gereift, spricht über die Zukunft, Familie, Freunde. Und doch ist die Leidenschaft für seinen Sport allgegenwärtig. Ein Leben ohne Fußball - für den Blondschopf unvorstellbar.
Derzeit spielt er in Luxemburg für CS Grevenmacher, einem Erstligisten direkt an der deutschen Grenze. Mario Basler hatte ihn und Pendant Christian Müller vor eineinhalb Jahren aus Trier weggeekelt. "Mein schlechtester Trainer", sagt Hartung im Nachhinein. Doch ohne den erzwungenen Wechsel wäre er wohl nie zu Europa-League-Einsätzen gekommen. Im Sommer traf er mit Grevenmacher in der Qualifikation auf Irlands FC Dundalk (3:3, 1:2). Eine schöne Erfahrung, sagt Hartung.
Und auch in Luxemburg fühlt er sich wohl. Doch den Weitgereisten zieht es wieder nach Hause. Immer wenn er wie jetzt in der Stadt ist, spürt er, was er an Erfurt hat. "Irgendwann möchte man ja mal ankommen", sagt Hartung nach etlichen Umzügen. Und er hat schon klare Vorstellungen von seiner Zukunft: "Ich will als Trainer mein Geld verdienen."
Was viele nicht wissen: Darauf arbeitet er schon lange hin. Mit 22 hatte der Mittelfeldspieler in Dresden erstmals eine D-Junioren-Mannschaft übernommen, später in Trier ebenfalls. Jetzt kümmert er sich um die C-Junioren. Während die Teamkollegen an der Playstation oder im Café saßen, kümmerte sich Hartung um seine Jungs und absolvierte ein Fernstudium als Sportmanager. In Luxemburg assistierte er kürzlich sogar bei der U-17-Nationalmannschaft und erwarb die A-Lizenz der Uefa.
"Das Beste von den vielen Trainern, die ich hatte, möchte ich gern weitergeben", sagt der Mann, der es beim FC Rot-Weiß zwischen 2000 und 2003 auf 52 Drittliga-Partien (drei Tore) brachte. Der Nachwuchs hat es ihm angetan. Er scheint ein Händchen für die Jugendlichen zu haben, die ihn zwar duzen, den Kumpeltyp jedoch auch anders erleben können: "Wenn der Respekt fehlt oder nicht das gemacht wird, was ich sage, dann werde selbst ich mal laut", sagt Hartung.
Sonst ist er eher ein ruhiger Vertreter, wie Thomas Schaaf. Bei dem Bremer Urgestein würde der Thüringer Trainer-Novize gern mal hospitieren, eine Halbzeit-Ansprache hören, Taktik-Sitzungen mitverfolgen. Auch Jose Mourinho von Real Madrid begeistert ihn. "Aber das geht wohl vielen so", verweist er auf die Erfolge des Portugiesen auf der großen Fußball-Bühne. Hartung will sich zunächst weiter im Kleinen beweisen. Am liebsten zu Hause. Dafür würde er auch das Ende seiner aktiven Karriere in Kauf nehmen. "Der Job geht vor", sagt er. Der Hallodri von einst scheint tatsächlich erwachsen geworden.
Marco Alles / 08.01.11 / TA
Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de
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